Rathaus Friedenfels
Umbau I Sanierung I Erweiterung eines ehem. Lehrerwohnhaus zum Rathaus
Bauherr: Gemeinde Friedenfels, vertreten d. Hr. 1. Bgm. Oskar Schuster
Beauftragung: Direkt
Bearbeitung: Kristina Kulicke
Bauzeit: 2019 — 2024, fertiggestellt
Typologie: Büro, Verwaltung, Kultur, Denkmalpflege
Kolpingplatz 4, 95688 Friedenfels, Deutschland

Die Alte Schule, ein Einzeldenkmal aus dem 19. Jahrhundert, wurde nach vorliegenden Archivalien um 1844 als eingeschossiger Schulbau errichtet. Im Jahr 1889/90 erfolgte eine Aufstockung mit Walmdach, wodurch das Gebäude seine heutige Zweigeschossigkeit erhielt. Ein besonderes architektonisches Merkmal sind die unterschiedlichen Fensterformen, die die verschiedenen Bauphasen widerspiegeln: Rundbögen im Erdgeschoss und Stichbögen im Obergeschoss.
Spätere, neuzeitliche Umbauten veränderten das ursprüngliche Erscheinungsbild erheblich. Die historische Fassade wurde teilweise reduziert, und auch denkmalrelevante Elemente des Innenausbaus im Erdgeschoss gingen verloren. Dennoch blieb die um 1890 errichtete Haustreppe sowie das im reduzierten Jugendstil um 1910 ausgestattete Obergeschoss weitgehend authentisch erhalten.
Architektonisch orientiert sich das Gebäude am reduzierten Neoklassizismus des Biedermeier und stellt damit einen typischen Staatsbau des 19. Jahrhunderts im ländlichen Raum dar. Heute bildet das ehemalige Schulgebäude als Rathaus gemeinsam mit der Neuen Schule, der Pfarrkirche, dem sogenannten Schlössl, der Schlossökonomie sowie dem Schloss mit Schlosspark das historische Zentrum der Gemeinde Friedenfels.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden immer wieder Umbaumaßnahmen durchgeführt, um das Gebäude an veränderte Nutzungen anzupassen. Neben seiner heutigen Funktion als Rathaus diente es in seiner Geschichte bereits als Schulhaus, Lehrerwohnhaus und sogar als Zahnarztpraxis
Um der heutigen Nutzung als Rathaus der Gemeinde Friedenfels gerecht zu werden, war eine behutsame, denkmalgerechte Umstrukturierung des Bestandsgebäudes erforderlich. Dabei wurde besonderer Wert darauf gelegt, historische Elemente zu bewahren und gleichzeitig moderne Anforderungen zu erfüllen.
Die Grundrisse wurden von früheren, neuzeitlichen Umbauten bereinigt und neu geordnet, um eine funktionale und zeitgemäße Nutzung zu ermöglichen. Zudem wurde die Barrierefreiheit durch den Einbau eines Aufzugs und weitere Maßnahmen sichergestellt.
Als architektonische Ergänzung zum historischen Gebäude entstand ein moderner Erweiterungsbau in Form eines flachen Zwischenbaus, der einen Bürgersaal – zugleich Sitzungssaal – beherbergt. Dieser fügt sich harmonisch in das bestehende Ensemble ein und schafft eine Verbindung zwischen Alt und Neu.
Darüber hinaus wurde ein attraktiver Vorplatz gestaltet, der das Gebäude aufwertet und als einladender Eingangsbereich dient. Ein großzügiger Innenhof, der über eine weitläufige Terrasse erreichbar ist, bietet zusätzlichen Raum für Begegnungen und Veranstaltungen.